Der braune Mob von Schneeberg

Erzgebirge: NPD mobilisiert zu Fackelmärschen gegen Geflüchtete

Während am vergangenen Wochenende in Hamburg über 10.000 Menschen für mehr Solidarität mit Geflüchteten auf die Straße gegangen sind, folgten in Schneeberg, im sächsischen Erzgebirge, bereits zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen über 1.000 Menschen einem von NPD und Kameradschaften organisierten Fackelmarsch, der sich gegen 230 am Stadtrand untergebrachte Geflüchtete richtete.

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Seit Wochen wird in der Facebook-Gruppe „Schneeberg wehrt sich“ gegen die Geflüchteten gehetzt. Fakten spielen dabei keine Rolle: Von „erhöhter Kriminalität“ ist die Rede, dabei bestätigte der Chemnitzer Polizeipräsident Uwe Reißmann erst kürzlich, dass auch in Schneeberg kein nennenswerter Anstieg der Kriminalität verzeichnet werden könne.

Wie auch anderswo in Deutschland geben sich die organisierten Nazis betont „bürgernah“, um rassistische Ressentiments in der „Mitte der Gesellschaft“ zu stärken. So wird der Fackelmarsch von den Organisator*innen als „Lichtellauf“ bezeichnet, angelehnt an das Schneeberger Lichtelfest im Advent.

Mit Erfolg: Selbst der MDR fällt darauf herein, wenn sich NPD- Landtagsabgeordnete Gitta Schüßler aus Burgstädt als besorgte Schneebergerin ausgibt. Die Rede von Stefan Hartung, Vorsitzender der NPD Erzgebirge, wurde von begeisterten „Wir sind das Volk!“-Rufen begleitet.

In der „Zentralen Aufnahmestelle für Flüchtlinge“ (ZAst) auf dem Gebiet der ehemaligen Jägerkaserne der Bundeswehr sind vor allem Familien untergebracht, geflüchtet unter anderem vor dem Bürgerkrieg in Syrien.

Während sich der Fackelmarsch im Stadtzentrum sammelte, fand unter dem Motto „Refugees welcome! Gegen den rassistischen Mob in Schneeberg und überall!“ ein von der „Initiative Sächsicher Antifa- & Antiragruppen“ organisierter Gegenprotestzug statt. Er blieb auf seiner ca. 6 km langen Route stets zwischen dem Fackelmarsch und der ZAst.

Die ca. 400 Gegendemonstrant*innen forderten Bleiberecht für Geflüchtete und warnten vor den tödlichen Folgen von Rassismus. Dabei erinnerten sie insbesondere an die Progrome in Rostock-Lichtenhagen und Hoyerwerda in den frühen Neunziger Jahren. Gastredner sprachen über die schwierige Lage von Geflüchteten in Brandenburg und von Roma in Tschechien.

Am Rand der Gegendemo kam es zu vereinzelten Provokationen, bei denen auch Hitlergrüße gezeigt wurden.

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In zwei Wochen will die NPD vermutlich wieder einen Fackelmarsch durch Schneeberg organisieren. Haltet Euch über geplante Gegendemonstrationen auf dem Laufenden. Pogrome verhindern, bevor sie entstehen!

Beim Häkelklub der Piraten Sachsen findet Ihr detaillierte Informationen rund um Spendenmöglichkeiten an die Flüchtlingskinder vor Ort.

Fotos mit freundlicher Genehmigung von @_mlx_.

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